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Nachbarschaftspflege durch Dasco

Nachbarschaftspflege durch Dasco

Dasco

Neben dem Spielplatz befindet sich ein besonderer, nicht zu übersehender Nachbar, der Kindergarten. Mit ihm sind wir auf mancherlei Art verbunden. Wir sehen die Kinder mit dem unverkennbaren gelben Dreieck auf dem Kindergartenweg, manche Siedlungsbewohner und –bewohnerinnen haben eigenen Nachwuchs, der den Kindergarten besucht, grössere Siedlungskinder erinnern sich an die Zeit, die sie in diesem einstöckigen Gebäude verbrachten.

Eine ganz besondere Beziehung zum Kindergarten unterhält Dasco, der Labrador von Anne Stettbacher und Gyula Fürling. Vor rund zwei Jahren schlossen Anne und Dasco ihre Therapiehunde-Ausbildung ab und sie wollten die erworbenen Kenntnisse auch anwenden. Deshalb fragte Anne die Kindergärtnerin Frau Friedli, ob sie allenfalls an regelmässigen Besuchen von Dasco im Kindergarten interessiert wäre. Frau Friedli war sofort begeistert, denn welcher Kindergarten erhält schon ein solches Angebot, und das erst noch gratis? Die beiden Frauen beschlossen, den Kindern alle 14 Tage eine Hundestunde zu bieten.

Am 19. November steht der vierte Hundebesuch in diesem Schuljahr an. Um 11 Uhr sitzen die Kinder erwartungsvoll im Kreis, manche ganz ruhig, andere etwas zappeliger. Anne und Dasco treten in den Kreis, machen eine Begrüssungsrunde und setzen sich zu den Kindern. Diese sind ganz still und aufmerksam; ängstliche Blicke gibt es keine. Das war in den ersten Begegnungen noch nicht so, einige Kinder hielten sich lieber auf Distanz. Jedes Kind durfte und darf weiterhin selber bestimmen, wie viel Nähe zu Dasco es wünscht. Unter anderem ist es wichtig in den Stunden, dass die Kinder Ängste abbauen und richtiges Verhalten gegenüber den Hunden lernen. Doch es sind die Kinder, die das Tempo bestimmen, denn der Hundebesuch soll für alle eine Freude, nie eine Bedrohung sein.

Anne beginnt, sich mit den Kindern zu unterhalten. Als Gesprächsaufhänger dient ein Geschenk, das Dasco aus dem Ostermundigenwald mitbringt: ein altes, feuchtes, etwas angekohltes Stück Holz. Anne erzählt, wo es Dasco gefunden hat und wie er es transportiert hat, nämlich im Maul. Möchtet ihr Kinder das auch? Wisst ihr, was Dasco alles gern hat? Kein Problem, spontan zählen die Kinder auf: Mit andern Hunden und mit Kindern spielen, Goodies essen (wird sofort demonstriert), überhaupt essen, baden, draussen sein, gestreichelt werden, schösele... Ein Mädchen darf in den Kreis zu kommen und Dascos Kopf in den Schoss nehmen. Wo und wie möchte Dasco gerne gestreichelt werden? Auch das wissen die Kinder: vor allem sollte man in Fellrichtung und nicht gegen den Strich streicheln. Ist er kitzelig? Ja, natürlich, und zwar an den Ohren und an der Pfotenunterseite. Die Kinder sehen, wie er kurz zuckt, wenn er an diesen Stellen leicht berührt wird.

Anne fragt, wer in den Vorraum kommen und mit Dasco zusammen sein möchte. Alle Hände fliegen in die Luft – und die meisten Kinder sind der Meinung, dass sie schon sooo lange nicht mehr an der Reihe waren. Zuerst ist Kaspar dran. Er darf Dasco an der Leine nehmen und in den Vorraum führen. Dort setzen sich die drei auf den Boden. Gut zehn Minuten lang hat Kaspar Dasco für sich ganz alleine. Zart und versunken streichelt er ihn, Worte fallen nur wenige. Dann ist Deni an der Reihe. Er hatte in den ersten Stunden Angst vor Dasco, und auch jetzt nähert er sich vorsichtig. Er berührt mit der Fingerspitze die Pfote, prüft nach, ob Dasco tatsächlich kitzelig ist. Langsam rückt er näher, und er beginnt zu streicheln. Anne bestätigt ihn, sagt ihm aber auch, an welchen Stellen Dasco die Berührungen weniger gern hat. Heute wagt Deni es sogar, Dascos Zähne näher zu betrachten und seinen Kopf auf den Schoss zu nehmen. Der Hund ist sein Freund geworden. Zum Schluss darf er ihn an der Leine zu den andern Kindern zurückführen. Im Kreis erzählen Kaspar und Deni den andern, was sie mit Dasco gemacht haben. Anschliessend singen alle Kinder ein Lied und verabschieden sich streichelnd von „ihrem“ Dasco.

Frau Friedli, Anne und ich setzen uns noch kurz zusammen. Für beide Frauen sind diese Stunden immer ein besonderes Erlebnis, ein grosses Geschenk. Sie können mitverfolgen, wie sich die Beziehung zwischen den Kindern und Dasco weiterentwickelt und wie die Kinder Vertrauen aufbauen. Frau Friedli betont, dass die Kinder enorm profitieren. Für Anne ist es vor allem Dasco, der die wichtigen Impulse gibt. Vor allem, wenn die Kinder im Vorraum einzeln mit ihm zusammen sind, nimmt sie sich möglichst zurück. So kann sich jedes Kind auf seine Art Dasco nähern, Empathie entwickeln und ihm gegenüber Gefühle ausdrücken.

Anne ist überzeugt, dass Dasco die Besuche im Kindergarten liebt und es geniesst, hier eine Aufgabe zu haben. Doch es ist auch anstrengend für ihn. Wenn er jeweils zurück in der Wohnung ist, muss er sich zuerst einmal erholen und lange schlafen. Nebst seinen Kindergartenbesuchen hat Dasco auch noch Einsätze bei Attestklassen in der Berufsschule.

Autorin: Anna Bähler

Verein Partnerhunde Schweiz, Sekretariat Ruth Renfer, Mösliweg 11, 3250 Lyss
032 386 11 77  / www.partnerhunde.ch